Pflege in Not
Alarmierende Entwicklung in der Pflege
Ein Gastbeitrag von Wolfgang Rose, BSB HH-Nord
Die Zahl der Menschen mit Pflegebedarf steigt in Hamburg. 43.000 Pflegebedürftige (45%) werden stationär, 28.000 ambulant (30%) und 24.000 (25%) durch Angehörige gepflegt. Die Zahl wird bis 2030 um geschätzt mindestens 15.000 Pflegebedürftige steigen. Gleichzeitig fehlen Einrichtungen und Pflegekräfte. Umfragen und Studien zeigen, dass die große Mehrheit der älteren Menschen nicht in einem Heim gepflegt werden möchte. Auch die überwiegend negative mediale Berichterstattung über Pflegeheime trägt dazu bei. Sie wünschen sich ein selbstbestimmtes Wohnen zuhause und im vertrauten Wohnumfeld.
Diese sozialen und finanziellen Entwicklungen in der Pflege haben auch die Politik alarmiert. Die Ampel-Regierung hatte beschlossen, von 2025 bis 2029 jährlich 30 Mio. Euro für Modellvorhaben vor Ort und im Quartier aus Mitteln der Pflegeversicherung zur Verfügung zu stellen, wenn das jeweilige Land Mittel in der gleichen Höhe einbringt. Hamburg erhält davon 2,6%, also jährlich 780.000 Euro, die aus dem Haushalt verdoppelt werden müssen. Diese Mittel der Stadt und der Pflegekassen stehen für Pflege- und Unterstützungsangebote im familiären, nachbarschaftlichen und Quartiersbereich zur Verfügung.
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LSB fordert: keine Alterseinschränkung bei medizinischen Behandlungen!
Überlegungen, ob sehr alte Menschen noch teure Medikamente erhalten sollten, rufen Fassungslosigkeit hervor.
Der rasante Kostenanstieg unseres Gesundheitssystems hat verschiedene Gründe und ist nicht allein der demografischen Entwicklung anzulasten. Wie schon bei der Pflege, wird hier der ältere Mensch offenbar allein als Kostenfaktor betrachtet. Alter als Ausschlusskriterium? Ab welchem Alter soll dies gelten?
Wünschenswerter wären u.a. Investitionen in Aufklärung, Prävention, Ausbau palliativer Versorgung, zur Selbstbestimmung und Selbstverantwortung, beispielsweise durch Patientenverfügung/Vorsorgevollmacht.
Die Würde des Menschen – auch die Würde des älteren Menschen und des älteren erkrankten Menschen – ist unantastbar!
Wie ist es um die Zukunft der Pflegeheime in Hamburg bestellt?
Der BSB Hamburg-Nord hat initiiert, dass die Sozialbehörde Seniorenvertreter:innen über die aktuelle Situation der Wohn- und Pflegeeinrichtungen informiert. Am 17. Januar 2025 erläuterte Jörg Meyer vom Amt für Gesundheit im Bezirksamt in Eppendorf die Lage.
Die Anzahl der Pflegeheime und die Platzkapazität sinken. Steigender Kostendruck und der nicht unerhebliche Fachkräftemangel führten zu Schließungen von sechs Einrichtungen in 2024. Es werde darüber nachgedacht, die Fachkräftequote von 50 Prozent zu flexibilisieren.
BSB HH-Nord_Info_Situation Pflegeheime_22Jan2025 (pdf)
Foto ©: Rainer Sturm / pixelio.de
Das Risiko eines Sturzes verringern
Ein Sturz ist nicht jahreszeitlich bedingt. Stolperfallen auf den Gehwegen, mal nasses Laub, Glatteis oder geblendet sein von der Sonne können der Auslöser sein. In der eigenen Wohnung sind die Risiken allgegenwärtig. Der LSB gibt hier Hinweise für das Erkennen und Minimieren von Sturzrisiken. Rutschige Böden, Teppichkanten, freiliegende Kabel – es geschehen die meisten Unfälle bekanntlich im Haushalt.
Personen mit Pflegegrad können für barrierefreie Gestaltung der Wohnung einen Zuschuss der Pflegekassen bekommen.
LSB-Info_Sturzprophylaxe (pdf)